Forum Winterthur

02.09.2025 | Rolf Gloor / Dr. Ralph Peterli
Zollschock und globale Unsicherheit

Die weltwirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Neue US-Strafzölle prägen das Bild: Mit einem Durchschnittszoll von 18 % trifft die Handelspolitik nicht nur China und Europa, sondern die Schweiz besonders hart – mit reziproken Zöllen von 39 %. Für ein Land ohne eigene Warenzölle bedeutet dies einen massiven Wettbewerbsnachteil. Die US-Konjunktur verliert an Fahrt bei steigenden Inflationsrisiken. China zeigt eine fragile Stabilisierung, Europa eine leichte Erholung. Die Schweiz dürfte bei anhaltender Zollbelastung in eine Rezession rutschen.

Die Wirtschaft wächst nur noch schwach. Konsum und Investitionen verlieren Dynamik, der Arbeitsmarkt zeigt mit deutlichen Revisionen der Beschäftigungszahlen klare Bremsspuren. Die Kerninflation stieg auf 3,1 %, die neuen Zölle könnten sie um weitere bis zu drei Prozentpunkte erhöhen. Inflationsgeschützte Anleihen gewinnen daher an Attraktivität.

Gegensätzliche Signale prägen das Bild: Schwache Industrie- und Einzelhandelsdaten stehen positiven Exportzahlen gegenüber. Die Kerninflation liegt bei 0,8 %, der Immobilienmarkt bleibt unter Druck. Ohne Impulse bei privaten Investitionen ist ein nachhaltiger Aufschwung unwahrscheinlich.

Die Stimmung hellt sich auf, Industrieproduktion und Aussenhandel zeigen leichte Zugewinne. Doch die nun fixierten US-Zölle von 15 % auf die meisten EU-Produkte dürften die Erholung bremsen. Die EZB richtet ihren Fokus zunehmend auf die Konjunkturentwicklung.

Vor Bekanntgabe der neuen Zölle war die Stimmung bereits trüb, nun droht mit 39 % Zollsatz auf US-Exporte ein ernsthafter Wirtschaftseinbruch. Besonders betroffen wären exportstarke Branchen wie Pharma und Maschinenbau – selbst wenn die Pharmariesen bislang ausgenommen sind. Eine anhaltende Belastung könnte Produktion und Margen ins Ausland verlagern.

Abschliessend lässt sich festhalten, dass die anhaltenden handelspolitischen Spannungen die Weltwirtschaft voraussichtlich weiter fragmentieren und eine Neuordnung globaler Lieferketten erzwingen. Für die Schweiz und Europa ist eine strategische Antwort auf diese Politik unerlässlich. Langfristig könnte die Abhängigkeit von QuasiMonopolisten im digitalen Sektor, insbesondere aus den USA, eine neue Staatsaufgabe zur Sicherstellung der nationalen Unabhängigkeit begründen. Dies könnte die Gewinnerwartungen der großen US-Tech-Firmen beeinträchtigen. Nationen, die in Freiheit leben wollen, müssen ihre Unabhängigkeit bei Nahrungsmittel, Energie, Landesverteidigung und digitaler Infrastruktur gewährleisten.

Winterthur Consulting Group AG
Dr. Ralph Peterli / Rolf Gloor

Teilen Sie diesen Artikel