10.02.2026 | Iris Kuster, Stadtparlamentarierin Die Mitte Winterthur
Wo sind die Grauen Panther heute?
Wer kann sich noch an die Grauen Panther erinnern? Es war eine Zeit, als sich die ältere Bevölkerung lautstark für ihre Anliegen äusserte. Wer heute im Netz nach ihnen sucht, findet noch einzelne Gruppen. Im Kanton Zürich lässt sich nichts finden.
Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, dass im Wahlkampf vor Jahren jeder eine Aussage zum Alter aufführte, sei es zu altersgerechtem Wohnen oder altersgerechtem Verkehr. War es früher vor allem für ältere Menschen schwierig geeignete, z.B. Rollator gängige Wohnungen zu finden, ist Wohnen heute zur gesellschaftlichen Herausforderung für alle geworden.
Ältere und alte Menschen haben in Bezug auf die Mobilität andere Bedürfnisse und Sorgen. Im ÖV ist es wichtig, dass sie einen Sitzplatz finden und so auch unerwartete Bremsmanöver ohne Sturz überstehen. Und wenn die Mobilität noch stärker nachlässt, bleibt situationsbedingt oft nur noch das Auto: das Behindertentaxi (wenn es Kapazität hat), das Taxi (sofern es die finanzielle Situation zulässt) oder Familie/Nachbarn (wobei der PP und vor die Lokalität fahren nicht gelöst sind). Obwohl der Stadtrat von der 5 Minuten Stadt träumt, sieht die Realität anders aus. So gibt es in Seen zum Beispiel weder Hörgeräte noch Brillen oder Schuhe zu kaufen. Also bleibt oft nur noch der Weg ins Stadtzentrum.
Und dass dann die Fortbewegung zu Fuss oder gar mit dem Velo nicht mehr in Frage kommt, versteht sich aus meiner Sicht von selbst. Und über alle, die es trotz hohem Alter noch zu Fuss und per Velo schaffen, freue ich mich. Ich denke aber, das wird eher die Ausnahme sein im hohen Alter. Die Erreichbarkeit von Geschäften und medizinischen Einrichtungen verbunden mit Parkierungsmöglichkeiten bleibt ein wichtiges Bedürfnis.
Auch wenn immer mehr Leute mit dem Handy und dem Computer gross geworden sind, sind digitale Angebote und Dienstleistungen der Stadt so auszugestalten, dass weniger digital affine Personen von der gesellschaftlichen Teilhabe nicht ausgeschlossen werden.
Dass sich die Gesellschaft verändert, zeigt sowohl der sinkende Jugendquotient (1980 47% auf 2024 32.8%) und der steigende Altersquotient (1980 23.7% auf 2024 32.3%). Die zwei Werte sind so nahe wie nie in der über 100jährigen Statistik und die Zukunft wird zeigen, wie es weitergeht.
Ich bin gespannt, wie lange es geht, bis die Stadtplanung und Stadtentwicklung die Bedürfnisse der alten Bevölkerung ernst nehmen und ihnen gebührend Rechnung tragen. Und ich bin mir bewusst, die ältere Bevölkerung ist länger fit als früher. Auch wenn die Grauen Panter ruhiger geworden sind, braucht es im Stadtparlament Vertreter und Vertreterinnen, die den demographischen Wandel ernst nehmen und sich für konkrete Lösungen in Winterthur einsetzen.
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