Forum Winterthur

03.07.2025
Liberale Marktwirtschaft unter Druck

Das weltwirtschaftliche Umfeld bleibt angespannt. Während sich die Aktienmärkte zuletzt erholten, stehen geopolitische Risiken, Zölle und strukturelle Herausforderungen weiterhin im Fokus. In den USA sorgt Donald Trumps handelspolitischer Kurs für Verunsicherung, China kämpft mit einem schwachen Immobiliensektor, und in Europa bleibt die Binnennachfrage gedämpft. Die Schweiz zeigt sich einmal mehr als stabilisierender Faktor.

USA: Die amerikanische Wirtschaft steckt in einer Stimmungsrezession – insbesondere die Konsumentenstimmung ist auf einem Tiefststand. Zwar bleiben die realwirtschaftlichen Daten stabil, doch die anhaltend hohen Zölle, wachsender Populismus und zunehmende politische Spannungen – zuletzt rund um Trumps „Big Beautiful Bill“ – trüben den Ausblick. Proteste in Kalifornien und der unvermittelte Einsatz der Nationalgarde deuten auf innenpolitische Eskalationsrisiken hin. Die Notenbank bleibt vorerst abwartend. Die grossen US-Technologiewerte zeigen eine zaghafte Erholung, doch die operativen Margen geraten zunehmend unter Druck.

China: Die zweitgrösste Volkswirtschaft bleibt von der Immobilienkrise und dem Exportdruck durch US-Zölle belastet. Der Binnenkonsum ist zwar stabil, aber insgesamt bleibt die Dynamik schwach. Die Regierung setzt auf minimale Zinssenkungen und symbolische Stimulus Pakete – eine echte konjunkturelle Trendwende bleibt aus. Der Yuan wertet gegenüber dem US-Dollar auf, was trotz Zoll Last ein gewisses Vertrauen signalisiert.

Europa: Nach einem kurzen Aufschwung gerät die europäische Konjunktur wieder ins Stocken. Während sich die Industrie stabilisiert, bremst die schwache Binnennachfrage. Die Konsumentenstimmung bleibt tief, ebenso wie die Dynamik im Dienstleistungssektor. Die EZB hat den Leitzins zum achten Mal gesenkt – ein Zeichen für den anhaltenden Handlungsdruck trotz rückläufiger Inflation. Deutschland und Frankreich stehen weiterhin unter dem Eindruck struktureller Schwächen, der Ukrainekrieg belastet die Energiemärkte, und neue geopolitische Spannungen mit Russland werfen Schatten auf die wirtschaftliche Stabilität.

Schweiz: Die Schweizer Wirtschaft wächst leicht, getragen von Exporten in die USA. Doch dieser Sondereffekt dürfte nicht anhalten. In der Industrie zeigen sich deutliche Bremsspuren: Auftragsbestände sinken, die Unternehmen beurteilen die Lage zunehmend pessimistisch. Gleichzeitig schwächelt der Konsum leicht. Die Inflation ist negativ, das schuf der SNB Raum für eine weitere Zinssenkung auf 0%. Der Franken bleibt stark – ein Vorteil für die Preisstabilität, aber eine Belastung für die Exportwirtschaft. Politisch bleibt die Schweiz, in der die EU-Diskussion einen heissen Herbst verspricht, ein Ruhepol – in einem zunehmend unübersichtlichen globalen Umfeld.

Fazit: Das weltwirtschaftliche Klima ist fragil. Geopolitische Eskalationen, autoritäre Tendenzen und der schleichende Abschied von der liberalen Marktwirtschaft stellen die regelbasierte Ordnung zunehmend infrage. Während sich die Finanzmärkte zuletzt resilient zeigten, bleibt der Blick nach vorn von Unsicherheit geprägt – insbesondere mit Blick auf Handelskonflikte, Machtkonzentration und Populismus. In diesem Umfeld braucht es robuste Modelle und aktives Risikomanagement – dafür steht unsere Technologie WCG:ROB®.

 

Winterthur Consulting Group AG
Rolf Gloor / Dr. Ralph Peterli

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