Forum Winterthur

10.09.2025 | Dr. Ralph Peterli
Die Juso-Initiative zerstört Schweizer Unternehmertum

Während die JUSO einmal mehr das Klassenkampflied spielt, sehen viele Familienunternehmerinnen und -unternehmer angesichts der Initiative für eine neue Bundeserbschaftssteuer ihr Lebenswerk und jenes ihrer Vorfahren in Gefahr. Denn die Juso-Initiative erlaubt explizit keine Ausnahmen von der brutalen Besteuerung von 50 Prozent auf Nachlässen über 50 Millionen Franken und gefährdet damit den Fortbestand traditionsreicher Familienunternehmen, die in ihren Regionen wichtige Arbeitgeber sind und am Standort Schweiz sehr viel in Innovation und Ausbildung investieren.

Die Übergabe an die nächste Generation muss langfristig aufgegleist werden. Dies ist ein Ding der Unmöglichkeit, würde die Juso-Initiative angenommen. Das Vermögen vieler Unternehmen ist investiert in Werkhallen und Maschinenpark und steckt in Patenten und wird in Forschung und Entwicklung investiert. Es liegt nicht auf den Bankkontos. Weil das Unternehmensvermögen nicht einfach liquidiert werden kann und Kredite zur Begleichung der Steuer illusorisch sind, bliebe nur der Verkauf von Unternehmensanteilen oder gar von ganzen Firmen. Auch ein Verkauf ins Ausland und der Verlust von lokalen Arbeitsplätze wäre wahrscheinlich. Profiteure der forcierten Zerschlagung sind in vielen Fällen Grosskonzerne aus der Branche oder ausländische Finanzinvestoren, die keinen Bezug zu Mitarbeitenden, Werkplatz und Tradition haben.

Eine Generationenübergabe von Firmen kann nur gelingen, wenn eine saubere finanzielle Planung erfolgt und viel Arbeit in verschiedensten unternehmerischen Bereichen investiert wird. Die Juso-Initiative würde dies verunmöglichen. Denn Innovation und Fortschritt erfordern finanzielle Mittel. Wenn man Unternehmen bei der Übergabe an die nächste Generation finanziell an den Abgrund treibt, gefährdet man den gesamten Unternehmensstandort, jeglichen Fortschritt und letzten Endes Arbeitsplätze und Wertschöpfung.

Die Juso-Initiative ist nicht nur für direkt von der Steuer betroffene Unternehmen ein fahrlässiges Eigengoal. Viele exportorientierte Unternehmen werden bereits durch die US-Zölle arg gebeutelt. Eine weitere Schwächung der Standortbedingungen durch die Juso-Initiative ist auch Gift für viele KMU. Denn wenn betroffene Unternehmen verkauft werden oder ins Ausland verlagert werden, fehlen in der Schweiz Aufträge und Steuereinnahmen. Beides bekommen auch lokale KMU direkt und über die Zeit die Gesellschaft zu spüren. 

Schliesslich missbraucht die Initiative die Klimapolitik als Vorwand für einen radikalen Umbau der Wirtschaft. Was sie dabei ausser Acht lässt: Die Schweiz verfolgt bereits eine gut abgestützte und demokratisch legitimierte Klimapolitik. Schweizer Unternehmen leisten bedeutende Beiträge zur Nachhaltigkeit, insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung. Das belegen auch in Winterthur viele eigenverantwortliche Initiativen lokaler Unternehmen.

Ihre Meinungen

13.09.2025 | M.Bueno M.

Ich möchte meinem ehemaligen Mittelschul- und Uni-Kollegen Ralph Peterli nicht widersprechen, allerdings frage ich mich schon, wieso er bisher noch nicht bemerkt hat, dass es in der Schweiz noch sehr viel mehr Gesetze gibt, die in ihrem Zusammenspiel und in ihrer Gesamtwirkung darauf ausgerichtet sind, bisher Erarbeitetes und Lebenswerke von Personen s y s t e m a t i s c h zu zerstören. Und zwar von Personen, deren Erbschaft und Vermögen sich in weit tieferen Zahlenbereichen bewegt als die von der JUSO anvisierten Unternehmen, die über mehrere Millionen verfügen. Grundsätzlich gebe ich Ralph recht, was investiert ist, lässt sich nicht einfach so liquidieren. Aber weshalb soll es bei den Kleinen (meist Einzelpersonen/KMU) Besteuerungen und Liquidationen geben, und bei den Grossen (oft milliardenschwere Konzerne/U.) gerade nicht?

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