15.06.2021
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Wirkungsvoller Schutz statt Tempo 30

In Wohnquartieren macht Tempo 30 Sinn. Diese Woche hat der Stadtrat aber einmal mehr unter dem Titel «Lärmsanierung» die Anordnung von diversen Tempo-30-Zonen auf kommunalen Erschliessungstrassen angekündigt. Gleichzeitig plant er in zahlreichen Projekten Fahrbahnhaltestellen wegen angeblich notwendigen Buspriosierungen. Wirkungsvoller Lärmschutz geht anders!

Dort, wo Grenzwerte überschritten werden, hat die Bevölkerung Anrecht auf wirkungsvolle Lärmschutzmassnahmen statt Scheinlösungen. Tempo 30 mit zusätzlichen Fahrbahnhaltestellen gehört nicht dazu. Fahrbahnhaltestellen führen zu Stop-and-go-Verkehr, was die Lärm- und Umweltbelastung deutlich erhöht statt reduziert. Zudem sind die Fahrbahnhaltestellen auch für Velofahrende gefährlicher. Ginge es dem Stadtrat tatsächlich um die bestmögliche Lärmreduktion und die Umwelt, würde er auf Fahrbahnhaltestellen grossmehrheitlich verzichten und für einen flüssigen Gesamtverkehr in der Stadt sorgen. Was passiert ist aber genau das Gegenteil: Fahrbahnhaltestellen werden bald flächendeckend eingeführt, ohne dass damit tatsächlich verfolgte Ziel ehrlich zu kommunizieren.

Tempo 30 wird immer noch mit einer errechneten Lärmreduktion von -3 Dezibel begründet. Aktuelle Versuche von Stadt und Kanton Zürich haben jedoch gezeigt, dass Tempo 30 eine gemessene Reduktion des Lärms um durchschnittlich gerade mal -1.46 dB (also wahrgenommene 10% tagsüber) und -1.98 dB nachts (also 13%) bringt. Die auf mehreren Versuchsstrecken gemessene Lärmreduktion liegt somit meist knapp über der Wahrnehmungsschwelle, teils so gar darunter (wie der Regierungsrat bestätigt). Die versprochene Lärmreduktion um -3 Dezibel konnte in keinem einzigen Fall nachgewiesen werden. Der Stadtrat scheint diese neuen Erkenntnisse zu ignorieren und lieber an seiner ideologisch motivierten Verkehrspolitik festzuhalten.

Die wirksamste Massnahme zur Lärmreduktion sind Flüsterbeläge. Diese führen gemäss Bundesamt für Umwelt zu Lärmreduktionen von durchschnittlich 6 Dezibel - anfänglich sogar deutlich mehr. Auch hier argumentiert der Stadtrat immer noch mit veralteten Belagsqualitäten und ignoriert neue Messwerte. Der wahrgenommene Lärm liegt bei Flüsterbelägen um 15% tiefer als bei Tempo 30. Es würde deutlich leiser. In Winterthur wurde ein Versuch mit einem Flüsterbelag auf der Breitestrasse gestartet. Dieser ist gemäss den Rückmeldungen der Anwohnenden sehr wirksam. Ginge es dem Stadtrat also tatsächlich um den wirkungsvollsten Schutz der Bevölkerung, würde er Schritt für Schritt Flüsterbeläge umsetzen, statt mit Tempo 30, Fahrbahnhaltestellen und ineffizienten Lichtsignalsteuerungen politisch motivierte Blockadepolitik gegen die Autofahrenden und damit auch gegen das Gewerbe zu betreiben, welche dem Ziel der Lärmreduktion und der Umwelt schadet und die Verkehrssicherheit der Velofahrenden mindert.

Romana Heuberger
Gemeinderätin/Mitglied Kommission Bau und Betriebe
Stadtratskandidatin FDP

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Markus Wettstein 22.06.2021, 20:55

Natürlich bedeuten die vorgeschlagenen Massnahmen eine Verlangsamung des Verkehrs, aber damit auch des öffentlichen Verkehrs. Die Stadt Zürich hat in einer Studie zum exakt gleichen Thema herausgefunden, dass die Verlangsamung dazu führt, dass sie mehr Trams und Busse einsetzen muss, um den Fahrplan einhalten zu können. Zürich müsste für 70 Millionen zusätzliche Trams und Busse beschaffen und mit 20 Millionen zusätzlichen Kosten pro Jahr rechnen. Und gleichzeitig ist die Lärmreduktion durch Tempo 30 kaum oder gar nicht wahrnehmbar, bzw. für Tempo 30 braucht es eine bessere Begründung als die (nicht existente) Reduktion des Lärms.

Ulrich Wydler 19.06.2021, 10:05

Ich wohne an der Rychenbergstrasse und bin häufig als Auto- und Velofahrer darauf unterwegs. Es gibt m.E. mehr Nach- als Vorteile durch die neue Begrenzung. Insbesondere als Velofahrer wird es kritisch. Mit 30 Km/h kann ein Bus nur noch mit ellenlangen Überholwegen einen Radfahrer überholen - wenn überhaubt. Die Enge der Strasse lässt ein Überholen bei Gegenverkehr ohnehin nicht zu. Entweder steigt das Risiko enorm oder die Velos bestimmen die Geschwindigkeit und dann ist die Begrenzung bei 20-25 km/h. Dagegen ist die Lärmreduktion marginal. Positiv ist einzig, dass die Strasse für den Durchgangsverkehr unattraktiver wird, was aber auf den Alternativrouten zu mehr Verkehrsbelastung führt.

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