Forum Winterthur

14.09.2026 | Werner Schurter
«Verkehr 45»

Der Sechsspurausbau der A1, die Haltestelle Grüze Nord und der Ausbau des Bahnhofs Oberwinterthur: Dringend nötige Infrastrukturprojekte in Winterthur drohen im bundesrätlichen Paket «Verkehr 45» wegzufallen. Der Schaden wäre gross, nicht nur für Winterthur.

Wenn man die Stellungnahmen von Stadt Winterthur und Kanton Zürich zu «Verkehr ’45» liest, entsteht ein klares Bild: Bund, bitte zurück an den Start. Beide Behörden anerkennen zwar die finanziell schwierige Ausgangslage des Bundes, aber die vorgeschlagenen Streichungen und Prioritäten sind weder logisch noch verantwortbar.

Winterthur erinnert daran, dass die Region ein zentraler Verkehrsknoten ist und seit Jahren gemeinsam mit Bund, Kanton, SBB und ZVV plant. Mit «MehrSpur Zürich–Winterthur» ist ein Milliardenprojekt bereits im Bau. Jetzt aber sollen entscheidende Elemente gestrichen werden – ein Vorgehen, das laut Stadt einem "Marathonabbruch kurz vor dem Ziel" gleicht. Besonders stossend ist die geplante Streichung der Haltestelle Grüze Nord, obwohl sie Teil des beschlossenen Ausbauschritts 2035 ist und rund um den Bahnhof bereits grosse Investitionen getätigt wurden oder geplant sind. Auch der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen und das Bahnhofs Oberwinterthur muss zwingend und ohne Verzögerung vorangetrieben werden, unabhängig von der Verlängerung des MWST-Promilles.

Der Kanton Zürich sieht es genauso und legt noch nach: Die Vorlage des Bundes sei weder gesamtverkehrlich abgestimmt noch raumplanerisch sinnvoll. Das Gutachten, auf das sich der Bund stützt, berücksichtige Abhängigkeiten zwischen Projekten kaum und ignoriere bereits getätigte Investitionen. Für den Kanton ist klar: MehrSpur Zürich–Winterthur und der Ausbau Stadelhofen gehören untrennbar zusammen. Wird Stadelhofen verzögert, drohen Mehrkosten und ein massiver Wirkungsverlust des gesamten Grossprojekts. Zudem kritisiert auch er die Streichung von Grüze Nord. Diese neu Haltestelle ist ein essenzielles Element für die Entwicklung Winterthurs und soll dereinst über 12 000 Personen täglich bedienen

Auch beim Nationalstrassennetz fordert Winterthur, den 6-Spur-Ausbau der A1 weiterzuverfolgen – die Pannenstreifenumnutzung ist nur eine kurzfristige Lösung. Der Kanton Zürich lehnt den Verzicht auf die Engpassbeseitigung bei der A1-Umfahrung Winterthur ebenfalls klar ab.

Am Ende bleibt die gemeinsame Forderung: Der Bund muss die Vorlage tiefgreifend überarbeiten. Prioritäten sollen sich an Nutzen, Bedarf und funktionalen Zusammenhängen orientieren – nicht an kurzfristigen Sparüberlegungen. Langjährige Planungen schaffen Verlässlichkeit, und genau diese Verlässlichkeit braucht die Region Zürich und Winterthur, um sich weiterzuentwickeln.

Werner Schurter
Präsident Verein „Winterthur: agil-mobil"

 

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