Forum Winterthur

13.05.2025
«RHEINREICH steinreich»

Ende April wurde in Diessenhofen die Ausstellung «RHEINREICH steinreich» mit Werken von Iris Dressler und Brigitte Enz Woodtli eröffnet. Mit den beiden Künstlerinnen aus Marthalen schlägt das Museum kunst + wissen eine Brücke zum Zürcher Weinland, wo der Rhein streckenweise – von Dachsen über Rheinau bis Ellikon am Rhein – die natürliche Landesgrenze bildet. Wer in Diessenhofen vom Oberen Amtshaus, dem Museumsgebäude, nordwärts aus dem Fenster schaut, erblickt ebenfalls den Rhein und deutsches Territorium.

Der Wasserstand des Grenzflusses ist historisch tief, so dass Titel der neuen Ausstellung im Museum kunst + wissen eine ungewollte Aktualität erhält. Aufgrund des Niedrigwassers treten beim Gailinger Ufer die Kiesbänke am Fusse der Ufermauer zutage. Ein Teil des «steinreichen» Flussbetts ist somit sichtbar und erinnert daran, dass der Rhein nicht nur Wasser, sondern auch Geschiebe transportiert. Angefangen beim Tomasee, der Quelle des Vorderrheins, wo das Geröll noch Ecken und Kanten hat. Die Wanderung der Steine mit dem Fluss und die allmähliche Wandlung ihrer Form hat Iris Dressler in einem ihrer Werke thematisiert. Von Beruf Drechslerin mit eigener Werkstatt, hat Iris Dressler – in der Manier des Trompe-l'œil- aus verschiedenen Holzarten täuschend echte Flusssteine geschnitzt. Weiter stellt sie in der Ausstellung filigrane Mobiles aus, deren Formen einerseits auf organische Kapseln und Zapfen zurückzuführen sind. 

Eine passionierte Sammlerin von Steinen ist Brigitte Enz Woodtli. Als vielseitige Künstlerin malt sie in Öl und Acryl und schafft mit dem Verfahren der Collage sowie der Décollage überraschende Materialver­bindungen. Ihre Gemälde aus Öl und Acryl bringen die Einzigartigkeit eines jeden gefundenen Steines zu Ausdruck. Dies gelingt ihr insbesondere dadurch, dass sie die Steine vor dunklem Hintergrund erstrahlen lässt. In ihren kleinen, objektartigen Werken zeigt sie Mikrostrukturen von Flechten und den Pflanzen, die in Ufernähe wachsen. Die Lineamente hat sie in weichen Beton geritzt, so dass diese Bilder an die Sgraffito-Technik gemahnen. Ihre Stein-Bilder changieren zwischen genauer Beobachtungsgabe der Aderstrukturen und lebendiger Wiedergabe der Farben. Sie korrespondieren auf harmonische Weise mit den geschnitzten und mit Gips geschlemmten Steinen von Iris Dressler. 

Von den rund 70 Vernissage-Gästen hätten vermutlich alle eine Beziehung zu Flusssteinen, Schmucksteinen oder Steinmännchen zu erzählen gehabt. Irène Bourquin, Autorin aus Elsau (ZH) und Co-Leiterin des in Warth TG ansässigen Caracol Verlags, sprach nicht nur von ihrer Faszination für Steine, sondern brachte auch ein halbes Dutzend Steine von ihren verschiedenen Reisen mit, welche sonst bei ihr daheim auf dem Fenstersims oder auf dem Bücherregal lagern. Sie las aus ihren Büchern vor, u.a. aus ihrem Gedichtband «Türkismäander», in welchem sie die Natureindrücke während ihrer Aufenthalte auf Island, in Irland und in der Bretagne nachklingen lässt. Auch gab sie eine erste Kostprobe aus ihrer neuesten Publikation «Im Orbit einer Sonne» als Vorgeschmack auf die Lesung am Sonntag, 18. Mai 2025, um 15 Uhr anlässlich des Internationalen Museumstags. 

Eine Hommage an die Ästhetik des Lapidaren ist auch die Raum-Ton-Installation von Willy Strehler, Tontechniker mit Tonstudio in Guntershausen bei Aadorf. Seine Raumklangskulptur bezeichnet er als künstlerische Verneigung vor der musikalischen Struktur der Natur. Der dreissigminütige «Tauchgang» nimmt das Publikum auf eine symphonisch audiovisuelle Klangreise mit. Die Ausstellung dauert bis 24. August 2025. 

Internationaler Museumstag im Museum kunst + wissen mit Kinderworkshop, Lesung und öffentlicher Führung.
Detaillierte Angaben unter www.diessenhofen.ch/museum

Text und Bild: Lucia Angela Cavegn

 

Museum kunst + wissen Diessenhofen
Museumsgasse 11
8253 Diessenhofen

Fr-So 14 bis 17 Uhr
Eintritt kostenlos: Kollekte

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