Forum Winterthur

27.05.2026 | Lucia Angela Cavegn
oxyd Ausstellung «NOT NOT UTOPIA»

Die von Katharina Henking und Bruno Streich kuratierte Ausstellung «Not Not Utopia» ist ein gemeinsames Projekt der Künstler:innengruppe Winterthur und der oxyd – Kunsträume.

Die Künstler:innengruppe Winterthur besteht seit 1916. Aktuell zählt sie rund 90 professionell tätige Kunstschaffende und zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Vitalität aus, was nicht zuletzt dem engagierten Vorstand und der Geschäftsleitung zu verdanken ist. So gibt es aktuell zwei laufende Gruppenausstellungen der Künstler:innengruppe Winterthur: Die eine findet in den oxyd – Kunsträumen Downtown Winterthur statt, die andere im Westflügel des altehrwürdigen Gasthofs Gyrenbad oberhalb von Turbenthal.

Die Ausstellung in den oxyd – Kunsträumen befindet sich im ehemaligen Kornhauskeller, direkt neben dem Salzhaus. Der Abstieg ins UG beinhaltet bereits das Abtauchen in eine andere, tageslichtarme Dimension. Es gäbe wohl kaum einen geeigneteren Ort als diesen, um sich mit imaginären Welten zwischen Utopie und Dystopie auseinanderzusetzen. Die ausgestellten Werkgruppen von Anita Bürgi (*1974), Dave Bopp (*1988), Nicola Jaeggli (*1955), Reto Mächler (*1962), Olga Titus (*1977) und Marco Wyss (*1976) sind vor dem Hintergrund einer instabilen Weltordnung entstanden, die es zunehmend schwieriger macht, sich zu positionieren. Zudem löst sich die Grenze zwischen Schein und Sein aufgrund digitaler Möglichkeiten auf, es findet eine Hybridisierung der Gegenwart statt. 

Anita Bürgi nutzt eigene Fotografien sowie Bildmaterial aus dem Web als Ausgangspunkt für ihre Ölgemälde, die eine traumhaft-surreale Natur zeigen, in die einzelne reale Versatzstücke wie eine Minigolfbahn eingebettet sind und die so eine Verbindung zum realen Leben schafft. Ihre schichtweise aufgebauten Bilder wirken aufgrund der eigenartigen, kraftvollen Farbigkeit und der fliessenden Übergänge zwischen Figuration und Abstraktion halluzinatorisch.

Noch weiter entfernt von der Gegenständlichkeit bewegen sich Dave Bopps Kompositionen. Seine monumentale Bildtafel «Never Despair, Never Surrender» eröffnet vielerlei Assoziationen – von psychedelischen Landschaftsbildern bis hin zu kosmischen Sternenkonstellationen – und dient in der Ausstellung als Raumteiler und Zäsur. Dahinter steht auf einem breiten Podest Reto Mächlers Multimedia-Installation «New Julier City (NJC)», die wie ein dystopisches Stadtmodell aus Elektro-Schrott anmutet, aus dem der Mensch verschwunden ist bzw. nur noch über die Mattscheibe eines Bildschirms flimmert. Kernstück der Arbeit ist Mächlers Experimentalfilm «wie es mir gefällt» mit seinem Alter Ego, dem Musiker «Julier», in der Hauptrolle. Ebenso menschenleer gestalten sich die 27 computergenerierten, mit einem 3D-Programm entwickelten Architekturvisionen von Nicola Jaeggli. Die unterschiedlichsten Gebäudetypen sind eingebettet in eine Landschaft und stehen am Wasser, so dass sich ihre Form auf der stillen Wasseroberfläche spiegelt. Die Verdoppelung der Wirklichkeit lässt diese imaginären Architekturen zu vexierbildähnlichen Darstellungen mutieren.

Eine faszinierende, mikroskopische Welt eröffnen die zart verästelten Füllfederzeichnungen von Marco Wyss. Die fünfteilige Serie thematisiert das Kippen von Utopie in Dystopie bzw. den Zerfall von Fülle in Form eines barock anmutenden Blumenbouquets in Erstarrung und Farblosigkeit. Ein Kippmoment weisen auch die farbintensiven Kompositionen von Olga Titus aus, welche im Lentikulardruck-Verfahren entstanden sind und durch die Integration eines Videos eine zusätzliche Tiefe erhalten. Weiter entwickelte die Künstlerin für die Ausstellung eine Textarbeit, die dazu einlädt, über eine grundlegende Verbundenheit des Daseins nachzudenken. Eine Utopie?

 

Ausstellungsdauer bis 5. Juli 2026.

oxyd – Kunsträume
Untere Vogelsangstr. 4 
8400 Winterthur

Weitere Informationen unter diesem Link.

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