22.07.2025
Kulturort Galerie Weiertal: «Back to the Roots» und «Out in the Wild»
Seit 25 Jahren betreiben Maja und Rick von Meiss den Kulturort Weiertal. Die Wülflinger Aussenwacht ist ein idyllischer Flecken Erde, wo seither Kunst und Natur in Einklang stehen. Zum 25-Jahre-Jubiläum hat Maja von Meiss, Kuratorin der aktuellen Sommerausstellung rund 20 nationale und internationale Künstler:innen eingeladen, ortsspezifische Installationen, Objekte, Video- und Klangarbeiten zu zeigen, die sich mit Fragen von Herkunft, Identität, Erinnerung und Naturverbundenheit auseinandersetzen.
Die beteiligten Positionen sind: Micha Aregger, Axel Reinhard Böhme, Eveline Cantieni, Com&Com, Markus Fehr, Alex Hanimann, Luca Harlacher, Katharina Henking, Patrick Kaufmann, Aldo Mozzini / Barbara Kiener, Yhomara Muñoz Dias, Doris Naef, Anna & Michael Rofka, raar (Richard Albertin und André Ribi), Martin Schwarz, ULTI, Andrea Vogel und Teres Wydler.
Die Ausstellung trägt den doppeldeutigen Titel «Back to the Roots» und besticht durch die enge Verbindung von zeitgenössischer Kunst und gepflegter Natur: Alte, knorrige Obstbäume, ein murmelndes Bächlein, ein von vegetabilem Grün umsäumter Teich mit angrenzender Datscha im Chaletstil bilden Bühne und Rahmen für künstlerische Arbeiten, die sich teils mit der Umgebung verbinden, teils bewusst von ihr abheben.
Die präsentierten Arbeiten befassen sich nicht nur mit kulturellen Wurzeln, sondern auch mit dem Bedürfnis nach Verbundenheit, Sicherheit und Verankerung in Zeiten des Wandels und der Globalisierung. Rückbesinnung impliziert ein Nachdenken über Vergangenes, Verlorenes und Vergessenes. Witzig und verspielt wirken etwa die zwischen den Ästen eines Apfelbaumes platzieren Spielbälle, die der Künstler Luca Harlacher an unterschiedlichsten Orten – am Flussufer, am Strassenrand usw. – gefunden und eingesammelt hat. Der Titel seiner Arbeit lautet sinnigerweise: «The Tree of Forgotten Games».
Der aus Holzlatten gezimmerte Kubus von Markus Fehr lädt im halbschattigen Innern zur meditativen Einkehr ein. In einer Welt, die zunehmend als verkehrt bzw. verrückt empfunden wird, scheint geistige Zentrierung nötiger denn je.
Der ausgegrabene und kopfüber wieder in den Boden gesteckte Apfelbaum, den das Künstlerduo Com&Com (Markus Gossolt und Johannes M. Hedinger) unter dem Titel BAUM #7 präsentiert, wirkt irritierend und steht für die Umkehrung bzw. (Zer-)Störung der natürlichen Ordnung: Die in die Luft ragenden Wurzeln, werden niemals Früchte tragen.
Die Installation «Urstrom» von Patrick Kaufmann gemahnt an die elementare Kraft des Wassers, die nicht nur formt, sondern auch Unheil bedeuten kann. Der Künstler hat einen alten, hölzernen Türrahmen mit Schwemmholz ausgefüllt, so, als hätte ein Hochwasser das Treibgut in ein Haus gespült. Naturereignisse können - wie unlängst in Blatten VS geschehen - Hab und Gut wie auch Heimat vernichten. Erinnerungs- und Erbstücke setzen Anker in der Vergangenheit.
Eine besonders poetische Arbeit ist Katharina Henking gelungen: Aus 2500 (gebrauchten) Fencheltee-Beutel schuf sie ein Hängeobjekt in Form eines altmodischen Kronleuchters. Dieses in der Datscha präsentierte Kunstwerk verströmt einen angenehmen Duft und verweist zugleich auf Vertrautheit und Vergänglichkeit.
Die Ausstellung bietet ein sinnliches und inhaltlich dichtes Erlebnis, das über das Visuelle hinausreicht. Ein reichhaltiges Begleitprogramm mit Führungen, Performances und Lesungen rundet die Ausstellung, die noch bis zum 7. September 2025 läuft, inhaltlich ab.
Neben Werken im Aussenbereich sind von denselben Kunstschaffenden weitere Arbeiten in den unteren Galerieräumlichkeiten zu sehen,
Ebenfalls bis zum 7. September 2925 dauert die Parallel-Ausstellung «Out in the Wild» in den oberen Galerieräumlichkeiten.
In den Werken von Andrea Ebener, Dominik Heim, Thierry Perriard, Olga Titus, Thomas Widmer, wiedemann/mettler und Rahel Zweig wird die Natur in all ihren Facetten reflektiert. Die Kunstwerke befragen das Verhältnis zwischen dem Menschen und seiner natürlichen Umwelt. Sie interpretieren die Natur als Erlebnis- wie auch als Schutzraum und thematisieren die Angst vor Kontrollverlust angesichts von Wildheit.
Mit «Back to the Roots» und «Out in the Wild» finden im Kulturort Weiertal zwei Ausstellungen statt, welche Kunst, Natur und existentielle Fragestellungen miteinander in Beziehung setzen und einem breiten Publikum ansprechend vermitteln.
Tect und Bilder:
Lucia Angela Cavegn
Ausstellungsdauer: Bis Sonntag, 7. September 2025
Adresse und Kontakt:
Kulturort Galerie Weiertal
Maja und Rick von Meiss
Rumstalstrasse 55
8408 Winterthur-Wülflingen
Weitere Informationen und Programmdetails unter: www.weiertal.ch
Programm-Highlights (Auswahl):
So 27. 7. 13 Uhr
Führung mit Adrian Mebold (Kunsthistoriker) zu «The Tree of Forgotten Games», «Cocoon» und weiteren Installationen. Im Anschluss Performance von Nadine Seeger zur Arbeit «Nischi?» von Eveline Cantieni
So 17. 8. 13 Uhr
Künstler:innen-Rundgang mit Teres Wydler, Luca Harlacher, Com&Com, Micha Aregger. Moderation Chelsea Angel Neuweiler (Kunsthistorikerin)
So 24. 8. 13 Uhr
Künstler:innen-Rundgang mit ULTI, Doris Naef, Patrick Kaufmann. Moderation Helen Lippuner (Kunsthistorikerin). Im Anschluss Lesung von Patrick Kaufmann aus seinem Buch «Ferngesteuertes Schwemmholz». Die aktuellen Texte stehen in Verbindung zu seiner Installation.
So 31. 8. 13 Uhr
Führung mit Adrian Mebold (Kunsthistoriker)zu «Quasi ein Zuhause», «MEGABITE», «Nepomuk am Wasser». Anschliessend Performance von Barbara Kiener, musikalische Begleitung Sonja Morgenegg, Guillaume André (Wildjodel/Naturjodel)
So 7. 9. 13 Uhr
Performance von Com&Com und Rick von Meiss «Baum #8» (Kollektive Pflanzung) – «Every End is a New Beginning» (Seneca)
Öffnungszeiten und Eintritt:
Die Ausstellung ist jeweils Donnerstag bis Samstag von 14–18 Uhr sowie Sonntag von 11–17 Uhr geöffnet. Der Eintritt zum Park beträgt CHF 10.-, die Galerie ist frei zugänglich. Kinder, Jugendliche und Menschen mit Handicap erhalten freien Eintritt. Private Führungen auf Anfrage.
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25.07.2025 | Maja von Meiss
Sehr herzlichen Dank für den sorgfältigen, umfassenden Artikel!