18.05.2026 | FDP Winterthur
Interview zur Wohnungsinitiative
Die Wohnungsinitiative verspricht Entlastung für den Wohnungsbau, schafft aber neue Probleme. Aus linken Kreisen lanciert, bringt sie mehr staatliche Eingriffe, mehr Auflagen und mehr Unsicherheit. Dany Romay nimmt Stellung.
«Eine staatliche Wohnbaugesellschaft schafft keine einzige zusätzliche Wohnung»
Am 14. Juni stimmt der Kanton Zürich über die Wohnungsinitiative ab. Die Grünen wollen eine kantonale Wohnbaugesellschaft mit einem Startkapital von 500 Millionen Franken. Dani Romay, FDP-Stadtparlamentarier, Bau- und Immobilienunternehmer in Winterthur, erklärt, warum das der falsche Weg ist.
Der Wohnungsmarkt in Zürich ist angespannt. Haben die Befürworter der Wohnungsinitiative nicht zumindest recht mit der Diagnose?
Die Diagnose ist korrekt: Zürich hat zu wenig Wohnraum, und die Nachfrage steigt weiter. Wer das anzweifelt, lebt nicht in der Realität. Aber eine richtige Diagnose bedeutet nicht, dass auch das Rezept stimmt. Und beim Rezept liegen die Initianten komplett falsch.
Was stört Sie an der Idee einer kantonalen Wohnbaugesellschaft konkret?
Die Initiative verlangt, dass der Kanton eine staatliche Wohnbaugesellschaft mit 500 Millionen Franken Startkapital gründet. Das klingt nach entschlossenem Handeln, ist es aber nicht. Denn das Grundproblem ist nicht, dass es zu wenige Akteure auf dem Wohnungsmarkt gibt. Das Problem ist, dass zu wenig gebaut werden kann. Einsprachen, überlange Bewilligungsverfahren und übertriebene Regulierungen sind die eigentlichen Bremsen. Eine staatliche Wohnbaugesellschaft ändert daran gar nichts. Sie tritt aber in Konkurrenz zu bestehenden Wohnbaugenossenschaften und Investoren, treibt die Preise für Grundstücke in die Höhe und gebaut wird trotzdem nicht schneller.
Aber Genossenschaften und gemeinnützige Träger zeigen doch, dass nicht gewinnorientiertes Bauen funktioniert?
Genossenschaften leisten wertvolle Arbeit, keine Frage. Aber sie sind privat organisiert und kennen den Markt. Eine staatliche Gesellschaft hingegen bringt Bürokratie, politische Einflussnahme und mangelnde Flexibilität mit. Entscheidend ist auch: Der Kanton kann auf diesem Weg nicht in einem Tempo bauen, das den Bedarf auch nur ansatzweise deckt. Das Geld fehlt dann an anderer Stelle, etwa für Schulen, Verkehr oder Gesundheit.
Die Befürworter sagen, die staatliche Gesellschaft könne gezielt dort bauen, wo der Markt versagt, also günstige Wohnungen für Menschen mit tiefem Einkommen.
Das klingt sozial, ist es aber nur für die Wenigen, die das Glück haben, in eine dieser Wohnungen einzuziehen. Was ist mit allen anderen? Mit den jungen Berufseinsteigern, den Familien, den Zugezogenen, die eine Wohnung auf dem freien Markt suchen? Für sie ändert sich nichts, ausser vielleicht, dass die Konkurrenz auf dem privaten Markt noch grösser wird, weil Grundstücke durch den staatlichen Akteur teurer geworden sind. Wir brauchen mehr Wohnungen für alle, nicht eine staatliche Gesellschaft, die für wenige baut.
Was wäre denn aus Ihrer Sicht die richtige Antwort auf die Wohnungsnot?
Bauen, bauen, bauen und die Hindernisse dafür aus dem Weg räumen. Jede neue Wohnung entlastet den Markt. Studien zeigen, dass pro neu bezogene Wohnung indirekt mehrere weitere Wohnungen frei werden, weil eine ganze Umzugskette in Gang kommt. Diese Dynamik brauchen wir. Konkret heisst das: Baubewilligungsverfahren beschleunigen, verdichtetes Bauen und Aufstockungen erleichtern und verlässliche Rahmenbedingungen für private Investoren schaffen.
Der Gegenvorschlag des Kantonsrats geht genau in diese Richtung?
Genau. Der Gegenvorschlag verankert in der Verfassung, dass Kanton und Gemeinden sich für gute Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau einsetzen müssen. Er fördert gezielt gemeinnützigen Wohnungsbau und selbstgenutztes Wohneigentum, ohne eine teure staatliche Gesellschaft zu schaffen, die auf dem Markt mitmischt und ihn verteuert. Und der Regierungsrat verpflichtet sich, innert drei Jahren konkrete Gesetzesvorlagen zu präsentieren. Das ist pragmatisch und wirksam.
Am 14. Juni empfehlen Sie also ein Nein zur Initiative und ein Ja zum Gegenvorschlag?
Klar. Wer den Wohnungsmarkt in Zürich wirklich entspannen will, muss auf mehr Angebot setzen, nicht auf mehr Staat. Die Wohnungsinitiative schürt Hoffnungen, die sie nicht einhalten kann und kostet dabei 500 Millionen Franken Steuergelder. Mit dem Gegenvorschlag können wir das Ziel, mehr günstige Wohnungen zu schaffen, auf einem sinnvollen Weg erreichen: durch bessere Bedingungen für alle, die bauen wollen.
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