Forum Winterthur

14.10.2026 | Andrin Gross
Industriestandort Winterthur: Gute Rahmenbedingungen sind entscheidend

Der angekündigte Stellenabbau bei Zimmer Biomet zeigt, wie wichtig grosse Industrieunternehmen für die Winterthurer Wirtschaft sind. Ihre Bedeutung reicht weit über die eigenen Arbeitsplätze hinaus. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessert werden können und welche Unterstützung der Kanton bereits bietet.

Der geplante Stellenabbau bei Zimmer Biomet hat in Winterthur für grosse Besorgnis gesorgt. Bis zu 580, zuletzt reduziert auf 490, der rund 730 Arbeitsplätze könnten wegfallen. Für die betroffenen Mitarbeitenden wäre dies ein schwerer Schlag. Doch auch für die lokale Wirtschaft hätte ein solcher Abbau spürbare Folgen. Das geht aus der Antwort des Zürcher Regierungsrats auf eine entsprechende Anfrage vom 14. September 2026 hervor.

Grossunternehmen sind wichtig für die gesamte Wirtschaft

Der Regierungsrat schätzt den jährlichen Wertschöpfungsbeitrag von Zimmer Biomet auf 100 bis 150 Millionen Franken. Doch die Bedeutung grosser Unternehmen geht weit über ihre eigenen Arbeitsplätze hinaus. Ein durchschnittliches Grossunternehmen im Kanton Zürich arbeitet mit über 300 Zulieferern zusammen. Mehr als 80 Prozent davon sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Zudem beziehen Zürcher Grossunternehmen rund 40 Prozent ihrer Vorleistungen von anderen Unternehmen innerhalb des Kantons.

Davon profitieren auch kleinere Betriebe, vom spezialisierten Zulieferer bis zum lokalen Dienstleister. Verliert ein Grossunternehmen an Bedeutung oder zieht sich aus einer Region zurück, kann dies deshalb weitreichende Folgen haben. Eine starke Industrie ist somit auch für das lokale Gewerbe von grosser Bedeutung.

Hohe Standortkosten setzen Unternehmen unter Druck

Die Schweizer Industrie steht seit einigen Jahren vor grossen Herausforderungen. Hohe Produktionskosten, steigende Energiepreise, der starke Franken und internationale Handelskonflikte erschweren den Wettbewerb. Auch der Regierungsrat anerkennt, dass der Kanton Zürich trotz seiner vielen Stärken mit vergleichsweise hohen Unternehmenssteuern, administrativen Belastungen und knappen Industrieflächen zu kämpfen hat.

Der geplante Stellenabbau bei Zimmer Biomet ist Teil einer globalen Neuausrichtung und lässt sich nicht einfach auf lokale Standortfaktoren zurückführen. Dennoch zeigt der Fall, wie wichtig wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für den langfristigen Erhalt industrieller Arbeitsplätze sind.

Kantonale Angebote unterstützen Unternehmen

Neben den Herausforderungen nennt der Regierungsrat auch verschiedene Initiativen, die für Winterthurer Unternehmen und HAW-Mitglieder interessant sein können.

Mit dem 2026 gegründeten Netzwerk «Lean-Digital-Smart Production» fördert der Kanton den Austausch zwischen produzierenden Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen Digitalisierung, Automatisierung und moderne Produktionstechnologien.

Das Programm «AHEAD» unterstützt Zürcher KMU bei der Entwicklung und Umsetzung von Innovationen. Ergänzend hilft ein gemeinsam mit dem Swiss Data Science Center umgesetztes KI-Programm Unternehmen dabei, künstliche Intelligenz sinnvoll einzusetzen und eigene Anwendungen zu entwickeln.

Auch beim knappen Angebot an Industrieflächen wird der Kanton aktiv. Die Fachstelle Innovationspark baut eine Übersicht verfügbarer Wirtschaftsflächen auf und soll Unternehmen bei der Suche nach geeigneten Standorten unterstützen.

Weitere Initiativen wie «Future Lab Zürich 2024» und «Women in Tech Switzerland» sollen dem Fachkräftemangel in technischen Berufen entgegenwirken. Ein neues kantonales Unternehmensportal erleichtert zudem den Zugang zu Behördenleistungen und Informationen.

Diese Angebote können gerade für KMU wertvoll sein, die ihre Prozesse modernisieren, neue Technologien einsetzen oder ihren Betrieb weiterentwickeln möchten.

Fazit

So sinnvoll diese Programme sind, ersetzen sie keine guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Unternehmen brauchen nicht nur Unterstützung bei Innovationen, sondern auch bezahlbare Gewerbeflächen, möglichst wenig Bürokratie und Planungssicherheit. Für die HAW ist deshalb klar: Eine erfolgreiche Standortpolitik muss bestehende Unternehmen ebenso stärken wie Neuansiedlungen fördern. Gerade in einer traditionsreichen Industriestadt wie Winterthur gilt es, genügend Raum für die Weiterentwicklung von Industrie und Gewerbe zu sichern. Denn wer die grossen Industrieunternehmen stärkt, sichert damit auch Aufträge, Arbeitsplätze und Perspektiven für zahlreiche kleinere Betriebe in der Region.

Ganze Antwort des Regierungsrates hier zum nachlesen 

 

Andrin Gross, Bachelor of Arts in Politikwissenschaften, Werkstudent HAW

Sagen Sie uns Ihre Meinung

Kommentar schreiben

Teilen Sie diesen Artikel