Forum Winterthur

19.02.2026 | Monika Vogel, Kandidatin Winterthurer Schulpflege, Die Mitte
Ein Plädoyer für weniger Stress im Schulzimmer (Teil 3)

Gesunde Ernährung, Zähne putzen, Sexualkunde und so weiter – die Liste kann beliebig verlängert werden. Viele eigentlich im Privaten angesiedelte Themen wurden und werden vermehrt zur Aufgabe der Schule gemacht. Bekommen die Schülerinnen und Schüler aber wirklich während der Unterrichtszeit Karies, werden sie zu dick oder kriegen sie ungewollten Nachwuchs?

Viele glauben, dass die Schule die Möglichkeit und die Legitimität hat, den genannten Gefahren, die vor allem in der Freizeit der Kinder und Jugendlichen entstehen, Herr zu werden. Aber gesellschaftlich bedeutsame und problematische Phänomene und Praktiken können durch die Schule weder verhindert noch gelöst werden. Die Schule ist lediglich ein Teil des Systems.

Bildung ermöglicht einen Zugang zur Welt, und je reichhaltiger und differenzierter dieser ist, desto angemessener und verantwortungsvoller wird mögliches Handeln. Was aber soll an der Schule gelernt werden? Einerseits sind dies Lesen, Rechnen und Schreiben. Diese sind die fundamentalen Kulturtechniken, die es zu erlernen und zu üben gilt. Dazu braucht es Zeit und Musse.

Andererseits gehört die Förderung des Gemeinsinns zum pädagogischen und gleichzeitig politischen Sinn der Schule. Lehrerin und Lehrer zu sein bedeutet, im Klassenzimmer täglich die Prinzipien des respektvollen Miteinanders zu verdeutlichen und sicherzustellen: den Dialog, das Argumentieren und das Erklären. Auch das braucht Zeit und Musse.

Eines ist klar: Es kann nicht ständig mehr in die Stundentafel hineingepackt werden, sondern diese gehört abgespeckt. Die Schule darf und muss entschleunigen, um den Schülerinnen und Schülern wieder vermehrt die Möglichkeit zu bieten zur Ruhe zu kommen und sich auf eine einzige Sache zu konzentrieren.

Monika Vogel, Kandidatin Winterthurer Schulpflege, Die Mitte

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