28.05.2026 | Bert Hofmänner
Der neue Richtplan gefährdet Arbeitsplätze und Wohlstand
Die Stadt Winterthur will den Autoverkehr mit dem neuen Richtplan massiv reduzieren. Doch wer den Verkehr systematisch erschwert, trifft nicht nur Autofahrerinnen und Autofahrer – sondern auch das Gewerbe, Arbeitsplätze und letztlich die ganze Bevölkerung. Der KMU-Verband Winterthur und Umgebung warnt vor den Folgen einer Verkehrspolitik, die Winterthur als Wirtschaftsstandort schwächt.
Modalsplit: Weniger Gewerbeverkehr?
Der neue Richtplan verfolgt das Ziel, den Anteil der Autofahrten von heute 42 Prozent auf 20 Prozent zu senken. Für den KMU-Verband Winterthur und Umgebung ist klar: Eine Einschränkung des Gewerbeverkehrs hätte für die Stadt und ihre Bevölkerung erhebliche negative Folgen.
Soll der wirtschaftlich notwendige Verkehr nicht eingeschränkt werden, müsste der private Autoverkehr massiv reduziert werden – beinahe um den Faktor fünf. Ob dies realistisch und für die Bevölkerung tragbar ist, bleibt fraglich.
Kammernprinzip
Die Stadtregierung will den Autoverkehr mit dem im Richtplan vorgesehenen Kammernprinzip unattraktiver machen. Dieses Prinzip funktioniert jedoch nur mit einer vollständigen Ringverbindung rund um die Stadt. Eine solche verfügt Winterthur heute nicht.
Für viele Fahrten innerhalb der Stadt würden dadurch deutlich längere Wege entstehen. Besonders Verbindungen zwischen Seen und Töss könnten sich um ein Mehrfaches verlängern. Das kostet Zeit, belastet Anwohnende zusätzlich und erschwert den Alltag von Gewerbe und Bevölkerung gleichermassen.
Verkehrsstrategie der Stadt
Entscheidend ist die Frage, wie die Stadt ihr Reduktionsziel erreichen will. Bereits heute zeigt sich eine klare Richtung: Während Trottoirs und Velowege ausgebaut werden, werden die Kapazitäten für den Strassenverkehr systematisch reduziert.
Tempo-30-Zonen, Spurabbau, der Abbau von Parkplätzen, Fahrbahnhaltestellen und weitere Massnahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Der Autoverkehr soll unattraktiver werden. Dahinter steht die Annahme, dass dadurch «unnötiger» Verkehr verschwindet und der verbleibende Verkehr besser fliesst.
Diese Strategie greift jedoch zu kurz. Denn sobald das Vorwärtskommen auf den Strassen wieder einfacher wird, nimmt auch der Verkehr wieder zu. Die Folge ist ein ständiger Kreislauf aus neuen Einschränkungen – ohne nachhaltige Lösung. Leidtragende sind Bevölkerung und Gewerbe.
Standortattraktivität
Die geplante Verkehrspolitik birgt zudem die Gefahr, dass Unternehmen ihre Standorte vermehrt in autobahnnahe Gemeinden der Agglomeration verlagern. Dort sind sie für Kunden, Lieferanten und Mitarbeitende einfacher erreichbar.
Eine solche Entwicklung hätte direkte Folgen für Winterthur: Arbeitsplätze würden verloren gehen, die Steuerkraft würde sinken und gleichzeitig müssten mehr Winterthurerinnen und Winterthurer für ihre Arbeit aus der Stadt pendeln. Da viele dieser Standorte schlechter an den öffentlichen Verkehr angebunden sind, würde dies paradoxerweise wiederum zu mehr Autoverkehr führen.
Fazit
Der KMU-Verband Winterthur und Umgebung sieht im neuen Richtplan eine deutliche Verschlechterung der Verkehrsbedingungen. Verkehr ist eine zentrale Grundlage für eine funktionierende Wirtschaft. Menschen, Dienstleistungen und Güter müssen zuverlässig an die richtigen Orte gelangen.
Wer Verkehr pauschal bekämpft, riskiert Wohlstand, Arbeitsplätze und Lebensqualität. Verkehr ist nicht immer angenehm, aber eine unvermeidbare Begleiterscheinung einer lebendigen und erfolgreichen Stadt. Deshalb muss Verkehr intelligent gelenkt statt systematisch erschwert werden.
Der neue Richtplan geht aus Sicht des KMU-Verbands leider in die falsche Richtung.
PS: aktuell werden für das Referendum gegen den neuen Richtplan Unterschriften gesammelt. Hier geht es zur Kampagnen-Seite.
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