Forum Winterthur

22.09.2026 | André Zuraikat
Budget 2027: Ohne Buchgewinn zeigt sich - Winterthur lebt über seine Verhältnisse

Das Budget 2027 der Stadt Winterthur weist ein Defizit von 11,6 Millionen Franken aus. Das Budget 2027 zeigt deutlich, Winterthur lebt über seine Verhältnisse. Der «Gewinn» von 113,8 Millionen im Budget 2026 war ein Buchgewinn aus Liegenschaftsaufwertungen, kein Franken echtes Geld. Obwohl die Bevölkerung nur um 0,6 Prozent wächst, steigen die Ausgaben um 6,3 Prozent. Das Budget 2027 erfüllt nicht die Erwartungen der Mitte Fraktion betreffend eine nachhaltige Finanzpolitik.

Die Kostentreiber wachsen ungebremst weiter

Die Ausgaben für Bildung, Soziales und Pflegefinanzierung steigen erneut an: Bildung auf 374,4 Millionen, Soziales auf 181,3 Millionen und die Pflegefinanzierung auf 72,5 Millionen Franken. Zusammen liegen diese drei Bereiche rund 25 Millionen Franken über dem Vorjahresbudget. Der Transferaufwand allein nimmt um 51,5 auf 689,3 Millionen Franken zu – getrieben von den Zusatzleistungen zur AHV/IV (+15,5 Mio.), der Asylsozialhilfe (+11,3 Mio.) und der Sozialhilfe (+9,1 Mio.). Das Einnahmenwachstum vermag das nicht zu kompensieren.

Sonderschulung: Wir schauen genau hin

Der Stadtrat begründet 5,3 neue Stellen und 4,8 Millionen Franken höhere Lohnkosten mit steigenden Schülerzahlen und mehr Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Diese Entwicklung erachten wir als kritisch, sie verlangt eine sorgfältige Überprüfung. Es geht nicht darum, Kindern die nötige Unterstützung zu verweigern – sondern darum zu wissen, weshalb die Platzierungen Jahr für Jahr stark zunehmen, ob die Abgrenzung zur Regelschulung noch stimmt und ob jeder Franken beim Kind ankommt. Diesen Punkt werden wir in der Budgetberatung kritisch beobachten.

Erfreuliche Steuererträge – und trotzdem ein Grund zur Vorsicht

Die Steuererträge sollen um 34,5 auf 555,7 Millionen Franken steigen. Das wäre erfreulich, ist aber noch lange nicht gesichert. Der Stadtrat stützt sich auf die SECO-Prognose vom Juni 2026. Das Arbeitsmarktumfeld in Winterthur und im Kanton Zürich ist aber sehr angespannt: Weiterhin ziehen Firmen weg oder bauen Stellen ab, quer durch die Branchen. Wer auf dieser Basis budgetiert, budgetiert mit einem grossen Risiko – und dieses Risiko trägt am Ende die Steuerzahlerin und der Steuerzahler.

Sicherheit bleibt für die Mitte weiterhin wichtig

Der Budgetentwurf plant einen Abbau von 8 Stellen bei der Polizei und gleichzeitig einen weiteren Stellenaufbau beim Departement Bau und Mobilität. Die Mitte Fraktion wird bei der Diskussion des Budgets genau hinschauen, ob der Stadtrat die richtigen Prioritäten setzt.

Priorisieren – und gleichzeitig Steuersubstrat gewinnen

76 Prozent der Einnahmen aus Steuern und Finanzausgleich fliessen in Bildung, Soziales und Pflegefinanzierung. Der Stadtrat betont, diese Bereiche seien kommunal kaum steuerbar. Das trifft auf Zusatzleistungen, Asylsozialhilfe und Pflegerestfinanzierung zu – nicht aber auf den Stellenaufbau, die Betreuungstarife und die Standards beim Schulraum. Das sind Entscheide dieser Stadt. Genau dort erwarten wir Priorisierung statt Verweise nach Zürich, besonders bei den Investitionen, die mit 330,1 Millionen Franken um weitere 54,4 Millionen zulegen und den Selbstfinanzierungsgrad auf 56 Prozent drücken. Wir begrüssen die «Haushaltsentlastung 2030» ausdrücklich – doch 25 Millionen jährlich reichen nicht gegen ein Defizit von 45 Millionen im Jahr 2030. Es braucht volle Kraft auf die neue Wirtschaftsstrategie: Nur mehr steuerkräftige Unternehmen kompensieren die Mehrausgaben, ohne Steuererhöhung und ohne Leistungsabbau. Daran messen wir den Stadtrat – an der Priorisierung und an der Standortpolitik.

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