21.09.2021

Starke Städte brauchen flüssigen Verkehr

Verkehrsachsen sind die Lebensadern der Städte. Über sie kommen jeden morgen frisches Gemüse in die Stadt, Pakete werden ausgeliefert und Handwerker fahren zu Baustellen. Die Verkehrsachsen haben für die Bevölkerung einen grossen Nutzen, aber auch einen Preis: Lärm und CO2 Ausstoss. Der Stadtrat plant nun die Frauenfelderstrasse schmaler zu machen und Fahrbahnhaltestellen für den Bus einzubauen.

Dies bedeutet, dass der normale Verkehr den Bus nicht mehr überholen kann, während an einer Haltestelle Personen ein- und aussteigen. Was beim Bus für einen kleinen Zeitgewinn sorgt, verursacht dahinter einen Handorgel-Effekt.

Dieser führt besonders in den Stosszeiten schnell zu Staus und verringert die Kapazität der Strasse bedeutend. Dadurch steigen die Kosten für alle Betriebe, welche die Strassen als Transportachsen nutzen. Wenn die Kapazität der Strasse sinkt, steht auch der Bus im Stau. Und so lösen die Millionen, die die Stadt ausgibt, nicht einmal das ursprüngliche Problem. Der motorisierte Verkehr hat Nebenwirkungen, die wir weiter minimieren müssen. Intelligente und nachhaltige Lösungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie mehr Nutzen zu tieferen Kosten erzielen. Das Projekt auf der Frauenfelderstrassen senkt den Nutzen der Strasse (inkl. ÖV) und wird Mehrkosten verursachen, weil es schon bald wieder korrigiert werden muss. Die aktuelle Politik schwächt Winterthur.

Winterthur kann nur als starke Stadt für die Bedürftigen da sein, in Kultur investieren oder sich ein zweites Hallenbad leisten. Und nur Bürgerinnen und Bürger, deren Wohlstandsbedürfnisse erfüllt sind, setzen sich für Umweltschutz ein.

Bert Hofmänner, Vizepräsident KMU-Verband Winterthur und Umgebung

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Romana Heuberger 27.09.2021, 21:02

Heute haben ACS, Pro velo, TCS, Winterthur: agil-mobil und Winti Mobil gemeinsam Einsprache gegen das Strassenprojekt Frauenfelderstrasse eingereicht. Die Winterthurer Verkehrsverbände sowie einige Privatpersonen stellen gemeinsam acht Anträge. Insbesondere möchten die Einsprechenden eine Einigungsverhandlung mit der Stadt erzielen.

Daneben werden folgende Anträge gestellt:
1) Die Fahrbahnsbreite sei beim heutigen Mass von 11 Metern zu belassen.
2) Es sei auf die Schaffung von Fahrbahnengpässen zu verzîchten.
3) Es sei auf die Anordnung weiterer Fahrbahnhaltestellen zu verzichten.
4) Es sei auf die Erstellung von Trottoirüberfahrten und auf die Verschmälerung der Ein-/Ausfahrten zu verzichten.
5) Es sei eine Bedarfsanalyse zur Ermittlung der zweckmässigen Parkplatzzahl zu erstellen.
6) Es seien die Bäume im Projektbereich gestaffelt zu ersetzen.
7) Die Fussgängerschutzinsel seien ohne "harten" Anschlag auszuführen.

Ich hoffe sehr, dass es hier zu einem konstruktiven Dialog mit den Verantwortlichen bei der Stadt und damit zu einer deutlich besseren Lösung als beantragt kommt.

Bert Hofmänner 27.09.2021, 15:29

@Benedikt Zäch: Es ist korrekt, dass der Bus eine höhere Personen Kapazität hat. Diese Kapazität ist für die Gewerbler aber völlig nutzlos, weil sie ihre Güter nicht mit dem Bus transportieren können! Verkehr "fliesst". Es gelten daher physikalische Gesetze. "Stop & Go" ist etwas, das die Kapazität von Strassen am meisten beeinträchtigt. Gerade in der Rushhour schlägt dieser Effekt gnadenlos zu. Das verrückte an diesen Haltestellen ist aber, dass der Gewerbeverkehr auch gebremst wird, wenn es gar nicht nötig ist. Z.B. wenn der Gemüselieferant am morgen hinter dem ersten Bus nachfahren muss... So bremst die aktuelle Stadtregierung die Wirtschaft aus und hat das Gefühl, wenn zu wenig Geld da ist, könne man einfach die Steuern erhöhen... Genau diese Politik führt geradewegs in die Sackgasse!

Benedikt Zäch 27.09.2021, 14:04

Ich möchte hierzu auf drei Punkte anführen:
1. Der Bus hat eine um ein Vielfaches grössere Kapazität als der Autoverkehr. Diese Flächeneffizienz (das ist übrigens die beste und nachhaltige Effizienzsteigerung im städtischen Verkehr) rechtfertigt es, dass der Bus konsequent priorisiert wird.
2. Der "Zeitverlust", d.h. die Wartezeit für Fahrzeuge hnter einem Bus an der Haltstelle, beträgt ca. 20 Sekunden. Hier von einem "Handorgeleffekt" zu reden, ist nicht sachgerecht.
3. Es gibt eine Grundregel beim Strassen(aus)bau: Mehr Kapazität führt – immer! – zu noch mehr Verkehr, d.h. jeder Ausbau steigert nur das Volumen und reduziert nicht die Flüssigkeit der Fahrbewegungen, im Gegenteil. Intelligentes Verkehrsmanagement setzt daher auf Steuerung, nicht auf Kapazitätssteigerung.

Barbara Kölliker 27.09.2021, 12:09

Der Verkehr auf der Frauenfelderstrasse ist heute schon in Stosszeiten so stark überlastet, dass Pendler andere Verbindungen nutzen, um diese Strasse zu umgehen. Daraus resultiert, dass bereits heute schon Dörfer rund um Winterthur mit Blechlawinen überrollt werden. Die geplanten Massnahmen werden dies noch verstärken. Umweltfreundliche Planung sieht anders aus.

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