12.05.2021

HAW GV 2021 (1): Erkenntnisse aus der Pandemie

In seiner Rede anlässlich der Generalversammlung 2021 der Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur spricht Thomas Anwander, Präsident HAW, über die Auswirkungen der Pandemie, welche die Welt seit anfangs 2020 im Griff hat. Viel wurde bereits über die Ursachen, Bewältigung und Folgen geschrieben und diskutiert. Anwanders Erkenntnisse fokussieren auf drei Themen: Freiheit, Gesundheit und die Fähigkeiten und Resilienz von Organisationen.

Nachfolgend wird das Referat von Thomas Anwander, Präsident der HAW Winterthur, wiedergegeben. In einem zweiten Beitrag wird über das Referat von Greg Poux-Guillome, dem CEO von Sulzer berichtet werden.

Die Corona Pandemie hat die Welt, die Schweiz und Winterthur seit anfangs 2020 im Griff. Als uns die ersten Meldungen betreffend einer neuen Virus-Krankheit erreichten, dachte wohl niemand, wie stark Corona unser Leben und unser Wirtschaften verändern wird. Ohne ein Prophet zu sein, kann man sagen, dass Corona uns auch noch die nächsten 12 Monate beschäftigen wird. Allerdings mit der Hoffnung verbunden, dass unser tägliches Leben wieder an Normalität gewinnt und wir essentielle Freiheiten zurückerlangen.

In den letzten Monaten wurde sehr viel über die Ursachen, Bewältigung und Folgen der Corona-Pandemie geschrieben und diskutiert. Thomas Anwander geht auf drei Erkenntnisse näher ein.

1. Freiheit

Wir haben realisiert, wie stark ein Ereignis wie Corona unsere Freiheit in ganz alltäglichen Bereichen einschränken kann. Freiheit und Freiräume sind nicht einfach gegeben, sondern müssen immer wieder erkämpft und verteidigt werden. Gerade auch im Zusammenhang mit anderen globalen Bedrohungen wie Klimawandel ist dies ein wichtiger Aspekt.

2. Gesundheit

Die Themen Gesundheit, Wert des Lebens aber auch Fragen des Tods haben neue Bedeutungen erlangt. Menschen haben darauf unterschiedliche Antworten gefunden. Je länger die aktuelle Krise andauert, desto klarer wird, dass die Fokussierung alleine auf die Bekämpfung des Virus zu kurz greift und die Auswirkungen auf andere Bereiche unterschätzt wurden.

3. Fähigkeiten und Residenz von Organisationen

Es ist spannend zu sehen, welche Staaten und Verwaltungen in der Bewältigung der Corona-Situation erfolgreich oder überfordert waren und wie die Unternehmen darauf reagiert haben. Heute − rund 1.5 Jahre später − kann man sagen, dass sehr viele Unternehmen recht gut auf die neue Herausforderung reagiert und sich angepasst haben. Dies kann man so allgemein von den Staaten und Verwaltungen nicht sagen. Während viele Bereiche ebenfalls gut bis sehr gut reagiert haben, waren doch viele politische Entscheidungsträger und staatliche Stellen mit der neuen Situation überfordert oder bestehende Schwachstellen wurden schonungslos offengelegt. Staatliche Stellen sind gut im Erlass von Gesetzen und Verordnungen, zeigen aber doch Schwächen in der operativen Umsetzung. Auch zeigte sich, dass die öffentliche Hand im Bereich Digitalisierung noch erheblichen Handlungsbedarf hat. 

Obwohl Corona unser Leben in den letzten Monaten bestimmt hat, ist weder die Wirtschaft noch die Welt stillgestanden. In Winterthur haben wir gemeinsam mit unseren Partnern an der Umsetzung der Cluster Strategie weitergearbeitet. Besonders freue ich mich, dass der Cluster Smart Machines, welcher von der HAW betreut wird, nicht nur einzelne Anlässe durchgeführt hat, sondern auch das in der Region Winterthur vorhandene Know How besser vernetzen konnte.

Der HAW ist es ein wichtiges Anliegen, dass Winterthur nicht nur als Kultur- und Gartenstadt wahrgenommen wird, sondern insbesondere auch als Technologiestadt. Ohne innovative Unternehmen gibt es keine attraktiven Arbeitsplätze und auch nicht mehr Steueraufkommen.

Die weitere Entwicklung von Winterthur ist für die HAW eine grosse Herausforderung. Eine Stadt muss wachsen, aber unserer Ansicht nach, kann nur ein einseitiges  Wachstum der Bevölkerung kein Ziel sein. Wir wollen ein qualitatives Wachstum in Winterthur, das sich in mehr Lebensqualität und auch mehr Steuerkraft manifestiert. Selbstverständlich betrifft der Klimawandel auch Winterthur. Wir wehren uns aber gegen eine Politik der Vorschriften und Bevormundung. Wir sind überzeugt, dass neue Technologien einen wichtigen Beitrag auch bei der Bewältigung des Klimawandels leisten können. Corona bestätigt, dass unser Ansatz zielführend ist. Die Schweiz hatte und hat im Vergleich zu anderen Ländern weniger restriktive Vorschriften aber nicht mehr Todesfälle oder eine Überlastung des Gesundheitssystems. Die Tatsache, dass wir bereits heute Impfungen gegen Corona haben und diese auch wirksam sind, beweist, dass wir den technologischen Fortschritt brauchen.

2022 sind wieder Wahlen in Winterthur. Aus unserer Sicht geht es immer mehr um die Entscheidung, ob wir eine Stadt mit mehr Vorschriften und staatlichen Eingriffen oder ob wir auf Eigeninitiative und Eigenverantwortung setzen wollen. Wollen wir Winterthur als Technologiestandort fördern oder sollen bestehende Strukturen bewahrt werden? Wollen wir eine Stadt, die für die Steuerzahler da ist oder eine Stadt, die immer mehr Steuern und Gebühren kassiert und den Anteil der Staatsangestellten und Subventionsempfänger kontinuierlich ausbaut und dies unter dem Schlagwort des urbanen Fortschritts verkauft?

Die HAW wird zusammen mit den anderen Verbänden in den Wahlen vom Februar 2022 Personen und Parteien unterstützen, die sich für ein Winterthur einsetzen, die bei den Steuern und den Gebühren nicht einfach nur teurer anstatt besser anstreben und die freiheitlichen Lösungen anstatt Vorschriften den Vorrang geben und Urbanität als Lust am Leben verstehen. Dazu gehören Arbeiten, Einkaufen, Mobilität sowie Sport und Kultur.

Das Referat von Greg Poux-Guillaume, CEO von Sulzer, anlässlich der GV zeigt auf, wie sich das Traditionsunternehmen Sulzer aber auch der Technologiestandort Winterthur über die Zeit entwickelt haben. Sulzer hat Winterthur geprägt. Viele Winterthurer haben nicht nur für Sulzer gearbeitet, sondern Sulzer hat auch viele Institutionen ge- oder mitgegründet, die heute noch sehr wichtig für Winterthur sind. Sulzer hat in der Stadtentwicklung auch in der räumlichen Dimension über all die Jahre stark geprägt, zuerst mit dem Bau von Fabriken und Werkstätten und dann in den letzten 20 Jahren in der Transformation dieser Areale zu neuen Stadtgebieten.

Die HAW ist nicht nur Handelskammer sondern auch Arbeitgebervereinigung und Sulzer war instrumental bei der Gestaltung der Gesamtarbeitsverträge und der darin vereinbarten Friedenspflicht und hat so das Verhältnis zwischen den Sozialpartnern in der Schweiz nachhaltig geprägt. Auch wenn heute nicht mehr die halbe Stadt für Sulzer arbeitet, ist die Firma weiterhin ein wichtiges Unternehmen für Winterthur. Wir sind sehr gespannt auf das Referat von Greg Poux-Guillaume zum Thema Business portfolio evolution in the era of digital and sustainability. Über das Referat wird in einem Folgebeitrag berichtet.

 

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